Die Franzosenzeit
In Frankreich regierte um 1800 Kaiser"Napoleon".
Er hatte schon viele Länder erobert. Am 19.11.1806 zogen die Franzosen
auch in Hamburg ein. Die Besatzung bestand aus Franzosen, Italienern,
Holländern, Spaniern und Deutschen im buntem Wechsel. Als Gouverneur
der Hansestadt wurde Marschall Bernadotte eingesetzt, der später
schwedischer König wurde. Er versah sein Amt mit Milde,Wohlwollen
und Gerechtigkeit.
Hamburg war keine Festung mehr. Die Hamburger hatten gemeint, sie brauchten
die teuren Festungsanlagen nicht mehr. Sie hatten darum angefangen, die
Wälle in Anlagen umzuwandeln. Am 10.12.1810 erklärte der Kaiser
Napoleon Hamburg sogar zu einer französischen Stadt.
Im Frühjahr 1812 begann Napoleon seinen Feldzug gegen Rußland,
auch Hamburger mußten als"französische Soldaten"
mit. Die meisten fanden den Tod während der Kämpfe oder des
grausigen Rückzuges im Winter 1812. Da verbündeten sich die
Russen, Preußen und Österreicher, um sich von der französischen
Herrschaft zu befreien. Die Befreiungskriege begannen. Am 18.03.1813 rückten
die Russen mit etwa 1400 Kosaken, unter Glockengeläut und dem Jubel
der Bevölkerung, in Hamburg ein. Aber wieder am 30.05.1813 zogen
die Franzosen ein. Es folgte das traurigste Jahr in Hamburgs Geschichte.
Die Franzosen bauten Hamburg und Harburg zu einer einzigen Festung aus.
Tausende von Hamburgern mußten die Wälle wieder aufwerfen und
Blockhäuser und Pfahlreihen errichten. In sieben Wochen ließen
sie die 7,5 Km lange "Harburger Brücke" von Grasbrook bis
Harburg bauen. Damit die Soldaten freies Schußfeld hatten,wurde
um die Stadt ein Trümmerfeld geschaffen. Viele Hamburger mußten
ihre Häuser mitten im Winter verlassen. Bauernhäuser und Landhäuser,
ja ganze Dörfer wurden Vernichtet. Die Kirchen in der Stadt wurden
in Pferdeställe umgewandelt.
Nach der Völkerschlacht bei Leipzig(16.10.1813) setzte sich die Nordarmee
unter Bernadotte, der als schwedischer Kronprinz auf der Seite der Verbündeten
kämpfte, auf Hamburg in Bewegung. Marschall Davout, der jetzt den
Befehl in Hamburg hatte, erließ einen furchtbaren Befehl. Er wollte
seinem Kaiser die Festung Hamburg retten. Alle Hamburger sollten sich
mit Lebensmittel für ein halbes Jahr eindecken. Alle, die das nicht
konnten, mußten die Stadt verlassen. 4000 Hamburger mußten
sie verlassen. die meisten Vertriebenen gingen nach Altona.
Joachim Hanfft rüstete auf eigene Kosten eine Abteilung Reiter aus,
und der Bleidecker Mettlerkamp führte die Hamburgischen Soldaten
an.(Nach diesen Männern wurden Straßen in Hamm benannt). Ende
Dezember begann die Belagerung Hamburgs. Erst als der besiegte Kaiser
Napoleon im April 1814 ins Exil nach Elba mußte, wurde die Stadt
am 30.05,1814 geräumt.
Die Hamburger wollten nicht noch einmal solche Leidenszeit
durchmachen.Deshalb zerstörten sie nach der Franzosenzeit ihr Festungswerk
gründlich. Sie trugen die Bastionen ab. Auf den Wällen ließ
der Kunstgärtner "Altmann" Alleen anlegen. Beim Dammtor
legte er von 1827-36 den Botanischen Garten an.
Das zerstörte St.Pauli wurde auch wieder aufgebaut. Der Haupterwerb
St. Paulis ist die Bewirtung von Gästen gewesen. So wurde es auch
nun wieder. So ist es bis heute an der Reeperbahn geblieben. Es ist das
Vergnügungsviertel Hamburgs. |
Der Hamburger Brand
In der Nacht vom 4. auf den 5.Mai 1842 brach in einem
Haus der Deichstraße Feuer aus. Die Nachtwächter lärmten
mit Rasseln und Rufen. Die Soldaten auf den Wachen feuerten Signalschüsse
ab, und die Türmer läuteten die Feuerglocken. Damit wurde die
Feuerwehr zur Hilfe gerufen.
Schon bald nach dem Ausbruch des Brandes erschien der Spritzenmeister
Repsold, der Sohn des Gründers der Sternwarte. Das Feuer fand gute
Nahrung an den Wahren in den Speichern. Es sprang über das 7m breite
Deichstraßenfleet auf die Häuser der Steintwiete über.
Die Feuerwehrleute arbeiteten unermüdlich, aber vergeblich. Mittags
um 1Uhr ergriffen die Flammen den St. Nikolaiturm, darin hatte man soeben
noch Gottesdienst abgehalten. Um halb 6Uhr stürzte der Turm unter
Krachen und Donnern zusammen. Aus den Speichern floß Alkohol in
die Fleete. Er brannte auf dem Wasser, entzündete die Pfähle
in den Fleeten und gefährdete Schiffe und Brücken. Um 11Uhr
abends übersprang das Feuer den Alsterlauf. Nun war das Rathaus in
Gefahr, trotzdem man das Rathaus sprengte, breitete sich das Feuer weiter
aus.
In der Katharinenstraße und im Grimm saßen
die Leute auf den Dächern ihrer Häuser und löschten jeden
Funken, den der starke Wind herüberwehte. So retteten sie das ganze
Kirchspiel St. Katharinen. Viele Leute hatten sich mit ihren geretteten
Sachen in die Börse geflüchtet, sie mußten sie nun eiligst
verlassen, weil schon alles rundherum brannte. Da faßte "Theodor
Dill" und mehrere mutige Männer den Entschluß, die Börse
zu retten.
Einige dieser Leute gingen auf das Dach. Sie hatten nasse Tücher
um den Kopf, und die Füße dick umwickelt. So tappten sie wie
Tanzbären
von einem Fuß auf den anderen, schwankten auf den heißen Kupferplatten
hin und her und stießen mit Eisenstangen die herüberfliegenden
Brände hinunter oder erstickten sie mit nassen Tüchern, immer
in Gefahr, selbst hinabzustürzen, da der Qualm ihnen jede Sicht in
die Weite nahm, das Hirn benebelte und die Augen zu Tränen reizte.
Sie mußten oft abgelöst werden. Der Bauführer Doelke löschte
die ganze Nacht hindurch überfliegende Funken und wurde am anderen
Morgen mit verbrannten Sohlen weggetragen
Der Südwind trieb das Feuer gegen den Gänsemarkt. Hier konnte
eine Sprengung helfen. |
| Das Feuer ergriff nun auch
die Petrikirche. Um 9Uhr abends glühte eine Giebelecke am Helm Ansatz,
an die man nicht herankommen konnte. Gegen 10Uhr morgens stürzte
der Turm nach dem Berg zu. Erst als der Wind sich drehte und die Flammen
gegen die Alster trieb, legte sich das Feuer (Straße Brandsende).
Am Sonntag, den 8. Mai, leuchtete ein Regenbogen über der schwer
getroffenen Stadt.
Der Hamburger Brand war zu Ende. Ein viertel der Stadt war vernichtet.
Der wichtigste und historisch bedeutsamste Teil Hamburgs lag in Schutt
und Asche. Vernichtet wurde u.a.: Nikolai-und Petrikirche, Altes Rathaus,
Alte Börse, Kran, Stadtwaage usw. Die Not in Hamburg war dadurch
groß, aber auch groß war die Hilfe von überall.
Die Hamburger selbst ließen sich nicht unterkriegen, mit Mut und
Tatkraft begannen sie ihre Stadt wieder aufzubauen.
Man baute die Häuser nicht wieder an den alten Straßen auf.
Der Staat kaufte alle Grundstücke. Er legte neue breite Straßen
an und baute zum ersten Male Sielanlagen hinein. Alle Straßen wurden
gepflastert und erhielten Bürgersteige und Gaslaternen. Sie leuchteten
heller und waren billiger als die alten Öllampen. So entstand ein
ganz neues Stadtviertel. Neben der Börse ließ man einen großen
Platz für das Rathaus frei. 1892, erst 50 Jahre nach dem großen
Brand, wurde das neue Rathaus errichtet. |